Werdegang Kunsthandwerk

Werdegang zum Kunsthandwerk – Auszug aus der Biographie „Augenblicke imLeben eines Menschen“

….Ein anderer therapeutischer Vertrag war, dass er, um einen Problembereich zu kompensieren, er alles reparieren sollte, was ihm in die Finger kam. So entdeckte er mal einen kaputten Stuhl, dessen Bein locker war, lernte diesen festzumachen, oder er musste ein Loch in die Wand bohren, um mit einem Dübel und Haken etwas daran aufzuhängen. So schaffte er sich etwas Werkzeug an und lernte mit demselben umzugehen. Bis dahin wusste er ja nicht einmal, wie man mit einer elektrischen Bohrmaschine umgeht. In der Zeit seiner Arbeitslosigkeit hat er Zeit für verschiedene Renovierungsarbeiten im Hause. Zwei neue Fenster müssen ins künftige Wohnzimmer, und diese möchte er gerne selbst bauen. Er sieht nur noch Fenster, beobachtet jedes Detail und macht sich dann ans Werk. Er stellt einen Bohrständer auf mit einer Bohrmaschine daran, kauft sich Fräsköpfe, passendes Holz beim Fensterbauer, fragt den um Rat. Die Männer in der Werkstatt wundern sich über den komischen langhaarigen Kauz, der doch tatsächlich so naiv zu sein scheint, Fenster zu bauen. Das ist wie Besessenheit. Aber er schafft es. Die Fenster werden von einem fachmännischen Verwandten eingebaut. Dieser schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf und kann es nicht fassen. Vom Gerüst aus macht er den diabolischen Eimerversuch. Er schüttet grinsend einen vollen Wassereimer in Richtung Fenster, aber auch dank einer angebrachten Wassernase am unteren Teil des Fenstersbleibt es innen trocken. Klärus grinst von innen. Dann beginnt er mit einem einfachen Holzspielzeug, erfreut sich seines Könnens und hat die Vision, mit Holzspielzeug das Einkommen der Familie aufbringen zu können. Eines Tages klingelt es bei ihm an der Haustüre. Ein Arbeitsamtmann kontrolliert, ob der Klärus auch ordentlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und ist schockiert ob der vollgepackten Regale mit Holzspielzeit, kann aber deswegen keine Verfehlung feststellen. Ein Marktstand voller Holzspielzeug bringt Null Umsatz, aber Klärus gelingt es, aus den Fehlern zu lernen und verbessert nach und nach seine Fertigkeiten. Die ganze Familie fährt mit auf Kunsthandwerkermärkte, die Kinder noch im Tragetuch der Mutter. Klärus schafft sich nach und nach Heimwerkermaschinen an. Doch um alle Maschinen zu haben, die er zum Produzieren von Holzspielzeug benötigt, fehlt einfach das Geld. Fünftausend deutsche Mark. Klärus wünscht sich also fünftausend deutsche Mark, um diese Maschinen kaufen zu können. Eines Sonntags kommt ein befreundetes Ehepaar zu Besuch. Man redet über dieses und jenes, schließlich erfahren die Freunde auch von dem fehlenden Geld, um die Werkstatt zu komplettieren. Diese sehen sich gegenseitig an, dann wird Klärus ein Umschlag zugeschoben, den er öffnen soll. Gespannt öffnet er den Umschlag, und im Beisein von Klara hat er genau fünftausend deutsche Mark in der Hand. Auf seine verdutzte Frage bekommt Klärus zur Antwort, dass die Mutter des Freundes verstorben sei und jedem Kind fünftausend deutsche Mark vererbt hat mit der Auflage, dieses Geld jemandem zu geben, der es ihrer Meinung nach nötig hätte. So erfahren Klara und Klärus in diesen Zeiten immer wieder Hilfen und Unterstützung. Es ist eine wunderbare kreative Zeit, das Spielzeug wird immer perfekter, der Erfolg auf den Märkten immer größer. Klara und Klärus haben einen großen von Klärus ausgebauten Wohnbus, mit dem Kind und Kegel auf die Märkte fahren. Klara und Klärus lernen auch viele nette Leute kennen, die das Gleiche tun. Klara produziert eigenes Kunsthandwerk, je nachdem, wie es ihre Zeit erlaubt. Es ist aber auch eine sehr anstrengende Zeit. Klärus bewegt sich immer wieder an seiner körperlichen Leistungsgrenze. Die Märkte sind für ihn purer Stress.