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S. Braun, Redaktion Fränkische Nachrichten
Roland Stickel schrieb die Geschichte von Klärus, einem Menschen, der mit Handicap durchs Leben geht – ein Handicap, das ihn vielleicht auf direkterem Weg zum Ziel, der Selbsterkenntnis führt, als das einem Helden mit gesundem Körper möglich wäre.
Klärus’ Behinderung ist auch kein Zufall, sondern Teil eines höheren Plans. Denn Klärus ist eigentlich Saramai, ein „Tropfen im großen Meer“, behütet vom Ganz Großen Liebe Geist, eine wiedergeborene Seele, die schon in vielen Körpern gelebt hat und dieses mal nun den Auftrag hat, Klärus zu sein – eigentlich Klerus, aber diesen Namen lässt Saramai ändern, denn mit dem hat er in früheren Leben schon „Negativerfahrungen gemacht“ ...
Auch wenn der Titel „Augenblicke im Leben eines Menschen“ ein wenig pathetisch klingt:
Kein bisschen larmoyant, sondern im Gegenteil mit viel Humor, Selbstironie und autobiographischen Einsprengseln, entwickelt der Autor das Leben des Helden. Der nimmt eine Sonderstellung ein, fast scheint er sie sogar zu genießen: Wenn Klärus mit seiner Schulklasse auf Auslandsaufenthalt ist und die Mitschüler am Andenkenkiosk klauen wie die Raben, dann werden alle Spintschränke gründlich durchforscht – nur seiner nicht, er ist schließlich „behindert, also ein armes Schwein“. Er steht nicht unter Verdacht, sondern „unter Naturschutz“. Tatsächlich hätten die Ermittler gerade bei ihm die „Geschenke“ der Mitschüler gefunden.
Klärus stolpert also genießend und immer mehr sinnsuchend durch Killerpädagogen-Klassenzimmer, durch Pubertät und Wohngemeinschaftsleben, ungeliebte Ausbildungsphasen und Klassenkampf-bewegte Studententage, er erlebt indische Meditation, allerlei Therapierichtungen und die Wohltaten der Musik. Letztlich findet er zur Ruhe und zu sich selbst? Das ist erhellend und berührend geschrieben, aber auch sehr komisch.
So zum Beispiel Klärus’ Erfahrungen als Azubi in einer Amtsstube. Der Leser wird mit dem badischen Aktenstecher bekannt gemacht, einem Instrument zum Akten abheften, das hier von einem ewig „bedüdelten“ Amtmann zweckentfremdet wird, um die nächste zu bearbeitende Bauakte aus dem Wust von Unerledigtem auszuwählen. „Hinterm Schreibtisch sitzend, wirft er von seinem chaotischen Aktenbollwerk aus diesen Aktenstecher in Richtung des geöffneten Schranks mit den unerledigten Fällen. Alle Mitarbeiter im Raum, einschließlich des faszinierten Klärus, verfolgen gespannt den Flug des Utensils, bis es schließlich gekonnt mit der Metallspitze vorne in einer der unerledigten Akten verschwindet“. Die so auserwählte Akte wird nun bearbeitet.
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